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 Ärztenetz "pleXxon" in Niedersachsen erhält Anerkennung. (Presseinformation als pdf)

 



Honorarentscheidung 2017: Eine Briefmarke mehr pro Patient.
(Ein Beitrag der Ärztegenossenschaft Niedersachsen-Bremen als pdf)

 


 
G8-Gipfel: Mittel gegen Demenz bis 2025 (als pdf)

 



Schwere Depressionen hängen von den Genen und der Kindheit ab
(als pdf)

(Ein Vortrag vom Neurologen und Psychiater Dr. med. Christian Figge, Chefarzt der Klinik für Allgemeinde Psychiatrie und Psychotherapie der Karl-Jaspers-Klinik)

 


Dauerbelastung - Stress - Burnout - Depression

von Volker E. Kollenbaum

Stress ist Bestandteil unseres Lebens. Konjunktur hat das Thema in jüngster Zeit auch durch die Publikation von Studien der Krankenkassen und Rentenversicherungen über steigende Fallzahlen und wachsende Ausgaben für psychische Erkrankungen, die in Zusammenhang mit Belastungen am Arbeitsplatz gesehen werden. Viele Menschen sehen sich durch Stress geschädigt, andere glauben, dass sie erst durch Stress zur vollen Form auflaufen, Aber was ist Stress wirklich? Ein Modethema zu dem jeder eine letztlich mehr oder weniger fundierte Meinung hat? Eine Erfindung der Psychologie? Was wissen wir heute darüber?

Umgangssprachlich werden meist äußere Belastungsfaktoren (der Leistungsdruck, die Kollegen, der Chef) als Stress bezeichnet. In einem wissenschaftlichen Zusammenhang wird Stress dagegen verstanden als Anpassungsanstrengung des Körpers bei einer (schon eingetretenen oder vorhergesehenen) Störung des aktuellen Fließgleichgewichts. Der Blick ist also auf die Reaktion des Körpers gerichtet.
Die Anpassungsaufgabe des Körpers variiert mit Quantität und Qualität der Belastung. Eine Anpassung an eine mäßige Veränderung (z.B. eine Erhöhung der Umgebungstemperatur von 20 auf 30o C) würde von den meisten menschlichen Organismen problemlos toleriert. Handelt es sich jedoch um einen kritischen Bereich (30 auf 40o C) würden die meisten dies als Stress erleben, während Veränderungen in einen Extrembereich (z.B. 40 auf 50O C) die Kompensationsmöglichkeiten des Organismus überfordern und vermutlich zu einer dauerhaften Schädigung führen (je nach Feuchtigkeitsgehalt der Luft u.a. Parameter).

Anpassung an psychosoziale Veränderungen
Seit vielen Jahren wissen wir, dass psychosozialer Stress „peripher-physiologische“ Veränderungen bewirken kann: die Herzfrequenz oder der Blutdruck steigt, die Schweißdrüsen produzieren mehr, der Speichelfluss wird geringer und anderes mehr. Es ist auch bekannt, dass biochemische Effekte nachweisbar sind: Katecholamine im Blut (Adrenalin, Noradrenalin) steigen an, der Cortisonspiegel, einige Blutfette und viele andere Substanzen lassen eine Reaktion erkennen.
Die Gehirnstrukturen, die diese Reaktionen vorrangig vermitteln, liegen im Hirnstamm und in Teilen des limbischen Systems. Dabei werden Art und Intensität der vorliegenden Störung des Fließgleichgewichts bewertet und die körperlichen Reaktionen entsprechend modifiziert.

Limbisches System auch für Psychotherapie bedeutsam
Die Antwort des Körpers auf eine akute Bedrohung dieses Gleichgewichts verläuft zunächst entlang vorgefertigten Ablaufschemata: Angriff, Flucht oder Totstellreflex sind die Muster, von denen unwillkürlich eines ausgewählt wird.
Während kurzfristige Stresseffekte zwar mit ausgeprägten körperlichen Reaktionen einhergehen, wäre dadurch eine dauerhafte Schädigung des Organismus noch nicht zu erwarten. Für die Entstehung dauerhafter Schäden muss es offensichtlich zu einer wiederholten oder chronischen Belastungssituation kommen.
Chronische Stressbelastung ändert jedoch nicht nur die Funktion, sondern auch die Struktur der Hirnareale, die an der Kontrolle der hormonellen und der neuronalvegetativen Stressantwort beteiligt sind.

Dauerstress verändert Hormongeschehen
Chronischer Stress lässt die Hormonantwort des Körpers empfindlicher ausfallen und negative Feedback-Wirkung erhöhter Gukokortikoidwerte im Blut abnehmen: es wird für den Organismus zunehmend schwieriger, wieder zu einer ausgewogenen Gleichgewichtssituation zurückzukehren, der Stress hält sich wie in einem Teufelskreis.
In einem solchen Fall chronischer Stressbeeinflussung macht sich auch die stressbedingt verminderte Ausschüttung von Wachstumshormonen für Hirnnervenzellen bemerkbar, die in der Genese einer depressiven Störung eine entscheidende Rolle spielt. Depressive Störungen werden daher von vielen Forschern heute als Stresserkrankung aufgefasst.

Krankheit als Stressfolge
Es ist daher plausibel davon auszugehen, dass eine große Zahl von körperlich bedingten Erkrankungen als Folge chronischer Stressbelastung aufzufassen ist. Dazu kommen allerdings psychische Störungen, die durch das Gefühl der Überforderung und Hilflosigkeit angesichts steigender Arbeitsdichte und Angst vor Stellenabbau begünstigt werden. Im klinischen Kontext treffen wir immer wieder auf Menschen, die Angst- oder Zwangsstörungen aufweisen, deren Ausprägung mit den erlebten Belastungen des Arbeitsalltags in Verbindung zu bringen ist.
Unter medizinischem Aspekt lohnt es sich daher, sich intensiver mit Stress als Reaktion von Organismen auf Belastungssituationen zu beschäftigen und nach Behandlungsmöglichkeiten zu suchen, die Stressfolgen mildern oder den individuellen Umgang mit Belastungssituationen verbessern, so dass weniger Erkrankungen auftreten.
In der Behandlung von Stressfolgen nimmt die Eigenbehandlung der Betroffenen eine häufig unrühmliche Stellung ein. Zur vermeintlichen Entspannung wird häufig nach Genussgiften oder Psychopharmaka gegriffen; an erster Stelle ist hier wohl der Alkohol zu nennen. Aus der Anamnese manches Alkoholikers wird deutlich, dass der Versuch, mit den Belastungen des Alltags zurechtzukommen, zu regelmäßigem Alkoholkonsum und schließlich zum zunächst unbemerkten Kontrollverlust im Umgang mit Alkohol geführt hat.

Eigentherapie mit Genussgiften
Ein weiterer Bereich fruchtloser Behandlungen ergibt sich in den Fällen, in denen ein Zusammenhang mit psychosozialer Belastung nicht gesehen oder geleugnet wird und eine rein körperorientierte Behandlung durchgeführt wird. Gesellschaftliche Ressourcen werden für eine solche unzureichende Behandlung verschwendet  und dies häufig unter aktiver Mitwirkung von Ärzten, die nur ihre eigene Fachrichtung im Blick haben oder die psychophysiologischen Zusammenhänge in ihrem Denken nicht berücksichtigen. Dabei existieren wirksame Behandlungen, um Stressfolgen zu beseitigen oder zu lindern und um eine erhöhte individuelle Widerstandsfähigkeit gegen die alltäglichen Belastungen zu erwerben.

Ambulant oder stationär
Eine psychosomatisch sinnvolle Behandlung wird im Regelfall erfolgreich ambulant durchzuführen sein. Jedoch gibt es Situationen, in denen die ambulante Behandlung an ihre Grenzen kommt. Ist etwa die notwendige Behandlungsfrequenz oder das zielführende Medium (Therapiegruppe oder spezielle praktische Übungen) in der ambulanten Praxis nicht darstellbar, so ist an eine stationäre Behandlung zu denken.
Im stationären Setting kann eine Vielzahl von Interventionsmöglichkeiten in zeitlicher und räumlicher Verdichtung zum Einsatz kommen, deren Effekte durch die Herausnahme aus dem Alltag erst ermöglicht werden und in einem zweiten Schritt dann gefestigt werden müssen.

 




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